Während des Festivals machen zwei offiziellen Fotografen (erkennbar am Vertanzt-Badge) Bildaufnahmen. Eine Auswahl der Fotos wird nach dem Festival auf der Website veröffentlicht. Ausserdem verwenden wir sie für die Festival-Kommunikation (online und print). Gerne stellen wir sie Euch hier kurz vor.
Gerhard Strohm (DE)
Gerhard Strohm lebt im baden-württembergischen Tuningen im Schwarzwald-Baar-Kreis und fotografiert mit Leidenschaft Menschen – von Porträts und Gruppenbildern bis hin zu Hochzeiten und anderen besonderen Anlässen. Seine Verbindung zu Vertanzt reicht viele Jahre zurück: Bereits um 2011 gewann er einen Fotowettbewerb des Festivals, und sein Bild schmückte im Folgejahr das Festivalplakat.
Gerhard selbst tanzt nicht. Eine sogenannte Rhythmus-Taubheit macht es ihm unmöglich, den Rhythmus eines Tanzes zu erfassen. Umso mehr begeistert ihn die Atmosphäre auf und neben der Tanzfläche, die er mit viel Gespür für den richtigen Moment fotografisch festhält. Mit seinem Blick für den richtigen Moment hält er die Atmosphäre, die Begegnungen und die Emotionen auf dem Festival fest. Besonders gespannt ist er in diesem Jahr auf ausdrucksstarke Tango-Szenen und darauf, viele bekannte Gesichter wiederzusehen und neue Menschen kennenzulernen.
Auch ausserhalb von Vertanzt ist Gerhard regelmässig mit der Kamera unterwegs und fotografiert historische Reenactment-Gruppen, Steampunks, LARP-Veranstaltungen und andere besondere Events. Ein Stück Vertanzt-Geschichte trägt zudem die CD-Hülle des Albums Biskaya der Schweizer Musikerin Ursina Kappenberger – die Fotos dafür entstanden ebenfalls auf dem Festival.Wer während Vertanzt ein Einzel- oder Gruppenporträt möchte, darf Gerhard jederzeit ansprechen – er freut sich über jede Begegnung vor der Kamera.
Johan Brouwers (NL)
Johan Brouwers aus Wijchen im Südosten der Niederlande veröffentlicht seine Fotos unter dem Namen Johan Wijchen. Schon seit seiner Jugend begeistert ihn die Fotografie. Nachdem er das Hobby während vieler Jahre zugunsten von Beruf, Familie und dem Tanzen etwas in den Hintergrund gestellt hatte, widmet er sich seit dem Übergang in den Ruhestand wieder intensiv der Fotografie; beim Tanzen hingegen muss er wegen Knieproblemen seit ein paar Jahren etwas kürzer treten.
Vor rund fünf Jahren begann Johan, Balfolk-Tanzabende und Festivals zu fotografieren. Heute ist er Stammfotograf der renommierten Festivals Cadansa in den Niederlanden und Balhalla in Gent. Zum Balfolk fand er 2012 durch seine Tochter – und ist seither nicht nur von den Tänzen, sondern auch von der offenen Gemeinschaft und der besonderen Atmosphäre begeistert. Am liebsten tanzt er Mazurka und Schottisch, daneben auch Argentinischen Tango, Blues und Fusion.
Dieses Jahr ist Johan zum ersten Mal bei Vertanzt dabei. Er freut sich darauf, die Schweizer Balfolk-Szene kennenzulernen, neue Menschen zu treffen und die besonderen Momente des Festivals mit seiner Kamera festzuhalten. Und wenn es die Zeit zwischen zwei Fotosessions zulässt, wird man ihn bestimmt auch selbst auf der Tanzfläche antreffen.
Wer nicht fotografiert werden möchte, kann den beiden einfach ein Zeichen geben. Danke für Eure Unterstützung!
Vertanzt, das sind vier Tage und vier Nächte Begegnung, Bewegung und ganz viel Freiraum fürs Sein. Dazu gehören sehr viele fleissige Hände, die dies möglich machen, aber genauso gestaltet dies auch jede:r einzelne Besucher:in mit. Sowohl in der Gesellschaft insgesamt als auch in der Balfolk-Szene ist das bewusste selbstbestimmte Miteinander stärker ins Bewusstsein gerückt.
Für ein wundervolles Vertanzt liegt uns dieses Thema ebenso sehr am Herzen. Wir wünschen uns für unsere Tanzenden einen freien offenen Raum, in dem jede:r so wild und so zart sein darf und kann, wie es gerade sein soll. Dafür zählen wir auf jede:n Einzelne:n von euch, um dies möglich zu machen.
Vertanzt hat sich hierzu ebenfalls ein paar Gedanken gemacht. Erstmals bieten wir in diesem Jahr zwei Workshops an: Bei «How to Balfolk» und im «Konsens-Labor» wird thematisiert, wie dies aussehen kann und wie ein guter Umgang im Miteinander gelingen kann. Der gute Umgang mit den persönlichen Grenzen und individuellen Bedürfnissen wird hier anhand von Beispielen und Vorschlägen zur Umsetzung thematisiert.
Zusätzlich haben wir in Ergänzung zum bekannten «Code of Conduct» der Balfolk-Szene ein paar Grundsätze für unser Festival aufgestellt. Ausserdem findet ihr dieses Jahr auf dem Gelände eine Ruhe«insel» als Rückzugsort.
Der Ausblick auf das diesjährige Festival unseres Programmleiters und Präsidenten des Vereins Vertanzt, Florian Lippke.
In wenigen Wochen erfüllt «unser Vertanzt» bereits zum 14. Mal musikalisch und tänzerisch das Emmental. Je näher das Festival rückt, desto stärker wird die Vorfreude spürbar: auf Musik und Tanz, auf das Wiedersehen mit Freund:innen und langjährigen Wegbegleiter:innen, auf neue Begegnungen und all die kleinen und grossen Momente, die das Vertanzt zu einer magischen Oase fernab des Alltags machen.
Vertanzt bleibt vertanzt
Bewegt bewegen – unter diesem Motto entstehen Begegnungen, Verbindungen und gemeinsames Erleben. Hier treffen Offenheit, Vielfalt und Wertschätzung aufeinander: Kreistänze, Tango, Forró oder ein Fusion-Boeuf – genau diese Mischung macht Vertanzt aus. Es geht nicht um «Perfektion». Es geht nicht darum, perfekt zu tanzen, sondern darum, sich als Mensch einzulassen. Auf die Musik. Auf die Begegnung. Auf den Moment. Und aufeinander.
Vielfalt mit über 80 Workshops lädt zum Entdecken ein
Von Bal-Folk-Einführungen über baskische Tänze, Irish Ceili und Forró bis zu Tango Argentino und Salsa – von Tänzen aus der Romandie über griechische, bretonische, orientalische,Tänze bis hin zu ukrainischen und südfranzösischen Traditionen gibt es viel zu entdecken. Neu im Programm sind Workshops zu Taketina, Awareness und ein Bœuf-Workshop. Der beliebte Pflanzenspaziergang führt dieses Jahr zu den Bäumen rund um das Festivalgelände. Vertanzt ist eben mehr als ein Tanzfestival. Es ist ein Ort der Begegnung, der Neugier und des gemeinsamen Lernens. Ein Raum, in dem Menschen miteinander tanzen, Erfahrungen austauschen, ihren Körper neu entdecken und die Freude an Bewegung und Gemeinschaft teilen.
Live Musik, die verbindet und trägt
Und natürlich wird auch die Live-Musik wieder ein Herzstück des Festivals sein. Mehr als 20 Bandauftritte sorgen für klangvolle Festivalabende – mit Bal Folk aus der Schweiz, Frankreich, Italien und darüber hinaus. Aber auch jeden Nachmittag gibt es einen Live-Bal. Wir möchten daraus eine Tradition machen. Mit dabei sind unter anderem Trio Blœuf, Grand Balthazar, Le Driadi, Bailenga, LôBáLü, Trio L’air inconnu, Katze Steffan und das Lügenorkestar, Zéphyr Combo, Biskaya, Cornio, Duo Edentia, Plume und viele mehr (siehe Programm). Dazwischen gibt es Discos, Socials, Boeufs und Jams – also genau jene musikalischen Freiräume, in denen Vertanzt besonders lebendig wird.
Ich persönlich freue mich bei dieser «VERTANZT bleibt vertanzt»-Edition auf
bekannte Gesichter und neue Begegnungen
klassische Schritte, die gelingen, und Neukreationen, die uns erfreuen
Musik, die verbindet und trägt
ein Festival, das uns daran erinnert, wie schön es ist, wenn Menschen miteinander in Bewegung kommen – und das beinahe rund um die Uhr.
Ob Geige, Akkordeon, Flöte, Gitarre oder was immer du spielst – pack dein(e) Instrument(e) ein! Denn auch in diesem Jahr gibt’s am Vertanzt Festival ein Mitspielorchester, bei dem du Teil des gemeinsamen Klangs werden kannst. Geleitet wird das Orchester wie letztes Mal von Christoph Geissbühler (von Katze Steffan). Er erklärt dir auf dieser Seite, was du zum Mitmachen wissen musst. Am Ende der Seite findest du die Noten zum Herunterladen.
Liebe Musikerin, lieber Musiker
Damit ich schon vorab eine Idee habe, welche Instrumente kommen werden. Bitte schreib mir doch kurz in einer E-Mail mit welchem Instrument du kommst. Oder auch sonst, wenn du Fragen hast, ungeniert einfach eine E-Mail schreiben: chrisgeiss@bluewin.ch
Freue mich auf’s gemeinsame Musizieren
MusigGrüsse
Christoph
Das musst du wissen:
Übe bei allen Stücken beide Stimmen. Ausser bei La Chapelloise, da hat die zweite Stimme stellenweise schon so ihre Herausforderungen. Schön, wenn Du diese meisterst, doch wenn nicht, verbeiss dich nicht, da kannst Du gut dann auch einfach immer die erste Stimme spielen.
Einige Stücke sind in zwei Tonarten gesetzt. Auch hier, übe beide Tonarten. Je nachdem welche Instrumente im Orchester vertreten sind, wählen wir die eine oder andere Tonart, oder wir spielen gleich beide Tonarten nacheinander.
Wir haben nur zwei Proben, das ist knapp, doch das werden wir schaffen 🙂 Daher bitte aber sehr pünktlich zu den Proben erscheinen, damit wir wirklich die ganze Zeit nutzen können.
14 Stücke sind für 90 Minuten Konzert viel, ob wir alle werden spielen können ist noch offen. Aber besser wir haben eines zu viel als eines zu wenig.
Mitbringen: Ausgedruckte Noten, Notenständer, Bleistift, ev. Chlämmerli, ev. Lampe Zweiseitige Stücke und auch Stücke in zwei Tonarten (immer erst die tiefere Tonart) auf ein A3 ausdrucken oder mit Klebstreifen zusammenkleben.
Während vier Tagen im Juli verwandelte sich Röthenbach zum 13. Mal in einen lebendigen fröhlichen Ort der Begegnung und des Feierns für Tanzbegeisterte aus der ganzen Schweiz und darüber hinaus. Wir widmen Vertanzt 2025 hier einen ausführlichen Rückblick aus verschiedenen Perspektiven und lassen einige unserer persönlich schönsten Momente noch einmal aufleben.
Nach drei Ausgaben am neuen Standort hat Vertanzt 2025 hier definitiv sein neues Zuhause gefunden – mit einem gut «eingespielten» Gelände sowie einem starken Team. Schon lange vor Festivalbeginn arbeitete das Organisationskomitee (OK) unsichtbar im Hintergrund: Pläne wurden geschmiedet, Ideen gesponnen, Listen abgearbeitet und Franziska hatte alle Hände voll zu Tun mit dem Ticketvorverkauf, der dieses Jahr richtig heiss lief.
Beim Aufbau entstand unter Felix’ Leitung dank zahlreicher freiwilliger Helfenden im Nu das farbenfrohe Zeltdorf mit Piazza, während sich im Festivalbüro im Dorf Materialchef Stöffu um Kartons, T-Shirts, Plakate, Solarleuchten und anderes Material kümmerte, das sich in Kartons bis fast zur Decke stapelte. Über die gestiftete Flasche Wein freute sich das Aufbauteam dann am Abend beim gemütlichen Beisammensein.
Je näher das Festival rückte, desto enger rückte auch das OK zusammen. Zwischen Sitzungen, Familienessen und Zugfahrten investierte jede:r unzählige Stunden – manchmal stressig, oft improvisiert, immer getragen von Teamgeist. Ein Lächeln im Chaos oder eine Umarmung reichten meist, um neue Energie zu geben. Und dann kam der Moment, an dem wir alle wussten: «Wow – wir haben’s geschafft!»
Vertanzt war für uns mehr als ein Festival: ein Geschenk voller Freude, Begegnungen und Verbundenheit. Nach den vier Tagen hiess es dann aufräumen, Bilanz ziehen – und schon wieder die ersten Ideen fürs Vertanzt 2026 träumen.
Kein Festival ohne Helfer:innen-Engel
«Merci viu mau!»
Raffael Krebs, Leiter Ressort Helfer:innen (Foto: Gerhard Strohm)
Das Vertanzt 2025 haben 135 treue und neue Helfer:innen mitgestaltet. Schon bevor das Festival offiziell begann, haben sie im Vorfeld geweibelt, gestaltet und übersetzt, oder beim Auf- und Abbau gewirkt oder an zwei bis vier Festival-Tagen unterstützt. Sie haben Kisten und Paletten geschleppt, Tanzzelte auf- und abgebaut, Wegweiser und Girlanden aufgehängt, Mikrofone und Bierfässer angeschlossen, Künstler:innen und Kinder betreut, …
… Essen und Cappuccinos zubereitet, Teller und Tücher gewaschen, T-Shirts und Parktickets verkauft, Münzen und Bons einkassiert, Pfannen und Toiletten geschrubbt, Lämpchen und Wasserschläuche gesucht, Autos und Teams geführt, und Kartons bestellt und gebündelt.
Neu war in diesem Jahr Camille im Ressort dabei. Sie war eine wertvolle Stütze, die souverän die Anmeldungen der Helfenden koordinierte und routiniert dafür sorgte, dass auch in diesem Jahr die Eingangs- und Parkplatzkontrolle gut aufgestellt war.
In diesem Jahr gab es viele kurzfristige Absagen von Helfenden. Raffael als Ressortverantwortlichen brachte das zwischendurch gewaltig ins Schwitzen. Schliesslich fand er aber stets eine Lösung, so dass immer überall genug Hände da waren, die mit anpackten.
Mit Lächeln, Teamgeist und einer grossen Portion Festivalfreude machten die Helfenden so das Vertanzt zu einem bunten, lebendigen Gemeinschaftswerk.
Es ist (fast) rund um die Uhr etwas los
Florian Lippke, künstlerischer Leiter
«Beim Vertanzt hilft jede:r mit wo er/sie kann – grandios!»
Beim diesjährigen Vertanzt staunten viele neue Besuchende darüber, was langjährige Festival-Teilnehmende gut kennen: Beim Vertanzt ist (fast) immer etwas los! So begann dieses Jahr der erste Bal manchmal schon gleich nach dem Frühstück – oder sogar noch früher.
Schliesslich legten die Musiker:innen vom Boeuf am Samstag schon um 3 Uhr in der Früh los und spielten bis nach Sonnenaufgang. Während dann unter dem Zeltdach noch die letzten Noten durch die Nähte im Zelt nach draussen entwischten, huschte bereits das Reinigungsteam durch den Raum. Der erste Workshop sollte hier ja bereits in knapp 90 Minuten starten! Der 24h-Betrieb, über den letztes Jahr noch gewitzelt wurde, wird mit jedem Jahr realer.
Impressionen vom Vertanzt Festival 2025 (Aufnahmen: Florian Lippke)
Für stürmische Begeisterung sorgten in diesem Jahr beim Boeuf-Publikum ganz besonders die Balfolk taugliche Versionen von Songs von Eminem oder des Hitparaden-Hits «Barbie Girl». So wurde dieses Jahr fast rund um die Uhr getanzt, gelacht und gestaunt – Vertanzt eben.
Viel Begeisterung und Freude bereitete auch in diesem Jahr das wunderbare Miteinander und Improvisieren der Künstler:innen: So wurde etwa aus einem angekündigten Duo aus Italien spontan vorübergehend eine vierköpfige Band, oder als ein Workshop kurzfristig ausfiel, fanden sich kurzerhand zwei andere Tanzinstruktor:innen ein. Auch die gerade erst aus Deutschland eingetroffene Band Firletanz machte mit und stellte sich kurzerhand auf die Bühne. Der Workshop war gerettet und konnte durchgeführt werden! Beim Vertanzt hilft jede:r mit wo er/sie kann – grandios.
Musik, Tanz und Zauber der jüngsten Festivalgäste
Für die knapp 100 jüngsten Festivalgäste (genau waren es 97, die in diesem Jahr zum ersten Mal mit eigenem Ticket da waren), wurde vier Tage lang das Zelt “DOM” zum fröhlichen Zuhause. Dort wurde geklettert, gebastelt, gelesen, jongliert, verkleidet, getanzt – und am beliebten «Speckstein-Tisch» eifrig geschliffen und poliert. Das grossartige Helfer:innen-Team sorgte liebevoll dafür, dass jedes Kind sich wohlfühlte und sich kreativ entfalten konnte.
«Am Kinderbal haben wir unser Zusammensein so richtig gefeiert.»
Maya Karin Arnold, Kinderprogramm
Neu in diesem Jahr war das Kinder-Orchester: Unter der Leitung von Geert, Esther und Familie musizierten viele Kinder begeistert mit, und beim «Kinderbal» sowie dem «Bal für Gross und Klein» verwandelten sie das Rumba-Zelt in ein mitreissendes, berührendes Fest voller Musik, Tanz und Zauber.
Vertanzt 2025 in den Medien
Radio neo1, «Vertanzt: Tanzfestival in Röthenbach» vom Donnerstag 19. Juli 2025: Was braucht es alles für einen reibungslosen Aufbau? Was waren die besonderen Herausforderungen im Vorfeld? Wie hat sich Vertanzt über die Jahre entwickelt?
Fusion begegnet uns in vielen Bereichen unseres Lebens. Dafür müssen wir nicht in die Physik oder Chemie abschweifen oder gar in die Bankenwelt abtauchen. Schon in der «Fusion-Küche» begegnet uns das Thema: überraschend, meistens sehr abwechslungsreich und schmackhaft! Wir haben den künstlerischen Leiter des Festivals, Florian Lippke, gefragt: Wie bereichert das diesjährige Motto «Fusion» das Festival Vertanzt?
Florian, wie kam es zu der Idee einer Vertanzt «Fusion-Edition»?
Am Anfang der Idee war ein spannendes Gespräch mit einem lieben Vertanzt-Kollegen vor drei Jahren über neue Trends im Gesellschaftstanz. Er meinte: «Fusion, das passt super zu Vertanzt!» Zuerst war ich skeptisch und konnte mir das gar nicht vorstellen. Schliesslich bin ich ein Fan von klaren Schrittfolgen und fühle mich mit erkennbaren Strukturen wohl, die jedem Tanz z.B. im Bal Folk seinen Charakter geben. Der Gedanke an eine «Fusion-Edition» von Vertanzt liess mich aber nicht mehr los und je länger ich darüber nachdachte, desto mehr erkannte ich das grosse Potenzial, das für unser Festival darin steckt.
Kannst du uns das näher beschreiben?
Sia Liebermann hat das alles in ihrem Interview zum Thema Fusion bereits sehr gut und ausführlich vorgestellt. Sie vermittelt darin einen umfassenden Einblick ins Fusion-Dancing und macht die dahinterstehende Idee gut nachvollziehbar. Ich empfehle allen, das Interview mit Sia unbedingt zu lesen!
Wie bereichert nun Fusion das Vertanzt 2025?
Fusion ist nicht an eine Tradition oder einen Musikstil gebunden. Es ist kein Tanzstil im eigentlichen Sinne, sondern aus meiner Perspektive vielmehr die Praxis, welche Stile entstehen lässt und geboren hat.
Wer ans Festival kommt, wird ganz viel Altbekanntes und auch viel Neues antreffen – und zwar nicht nur Fusion! Wir haben dieses Jahr auch andere tolle Beiträge erstmals im Programm. Fusion beim Vertanzt bedeutet erst einmal die offene und neugierige Begegnung von Menschen, Tänzen und Traditionen. Das kennen regelmässige Besucher:innen auch schon von früheren Vertanzt-Festivals. Bei der diesjährigen «Fusion-Edition» können sie jetzt auch spielerisch kreative Verbindungen ausprobieren, etwa zwischen
verschiedenen Tanzstilen (z. B. Swing mit Scottish, Contact mit Tango),
musikalischen Taktarten (z. B. Zwiefacher als Mischung aus 2/4- und 3/4-Takt) oder
alte Fusion-Tänze, die mehrere traditionelle Tänze ineinander vereinen (z. B. bretonischer Dañs Trikot als Mischung von En Dro und Hanter Dro).
«Fusion ist ein erweitertes Konzept kultureller und tänzerischer Durchmischung, das über reine Tanztechnik hinausgeht.»
Florian Lippke
Das tönt etwas abstrakt. Kannst du es anschaulicher beschreiben?
Ganz konkret finden jeden Tag neben dem bekannten traditionellen Angebot verschiedene Fusion-Workshops für alle Niveaus statt. Die Tänzer:innen haben dort die Möglichkeit, Fusion in vielen Varianten als moderne Paar-Tanzform kennenzulernen und darin einzutauchen. Daneben wird es aber noch viel mehr Fusion zu entdecken geben – wir machen darauf am Vertanzt unser ganz eigenes Ding!
Darauf wetten wir! Und weiter?
Fusion wird nicht nur getanzt, sondern auch gesungen, und zwar gleich bei mehreren Chorprojekten. Dabei werden verschiedene Singtraditionen vorgestellt und daraus gemeinsam etwas Neues gewoben und gestaltet. Oder noch etwas ganz anderes: Pflanzen-Fusion. Bei diesem Angebot im Tagesprogramm erkunden die Teilnehmenden bei einem Spaziergang die Natur in der Umgebung des Festivals und vertiefen das Thema Fusion sowohl bei den Pflanzen als auch bei sich selbst. Und nicht zuletzt verwandelt sich jeden Abend das kleinere Tanzzelt in eine Fusion-Disco, die zum Ausprobieren und Mitmachen einlädt.
Du hast am Anfang von «Fusion-Küche» gesprochen: Wird es eine solche geben?
Ganz ohne Fusion geht es natürlich auch bei der Festival-Verpflegung nicht: Mittags kann mensch sich jeweils in der Kantine seine eigene Fusion aus Salaten und Suppe zusammenstellen und je nach Tagesangebot gibt es an der Bar eventuell einmal Röthenbacher Buurehamme mit marokkanischen Couscous oder eine ähnliche Fusion-Überraschung! Und vielleicht mag ja auch jemand seine Eiskreation am Glacéstand im Vertanzt-Becher abholen und sie sich in der Bar mit einem Kaffee veredeln lassen?
Fusion für alle Sinne sozusagen?
Ja, das trifft es. Wir können uns alle auf eine solide Präsenz des Themas Fusion freuen. Mit seinen 80 Workshops und 20 Bands ist das Festival ohnehin die totale Fusion: Streetdance neben Irish Dance, Forró neben Mazurka, ein Kinderball und der integrative Familienball – und zwischendrin der Mittagsbal für alle, die den Tag zur Nacht machen wollen.
Vielen Dank Florian und bis zum Vertanzt!
Das ganze Programm von Vertanzt 2025 «Fusion-Edition» ist auf der Webseite zu finden: Direktlink zum Programm
Beim Vertanzt 2025 gibt es neben Balfolk und diversen anderen Tänzen auch wieder ein Thema: Fusion. Dieser Begriff hat ganz viele verschiedene Bedeutungen. Deshalb haben wir mit der Tanzlehrerin Sia Liebermann gesprochen und gefragt, was es im Bezug auf Tanzen damit auf sich hat.
Das Wichtigste in Kürze:
Beim Fusion tanzen nimmst du das, was du schon kannst, und dichtest Neues dazu
Dabei pflegst du die Verbindung mit deinem Gegenüber und gehst auf die Musik ein
Es ist kein eigener Stil mit vordefinierten Schritten, sondern ein gemeinsames Improvisieren
Vorkenntnisse brauchst du keine. Anfänger:innen und erfahrene Tänzer:innen finden hier ihren Platz
Alle Menschen sind willkommen, genau so wie sie sind, mit ihren ganz eigenen Präferenzen
Das Gespräch Anhören (auf Schweizerdeutsch)
Vielen Dank Sia, dass wir dir ein paar Fragen stellen dürfen.
Sehr gerne!
Was ist Fusion?
Fusion ist eine Paartanz-Form, ein Social Dance mit Schwerpunkt auf Improvisation. Es ist eine Tanzpartnerschaft, welche von der Verbindung der zwei (oder mehr) zusammen tanzenden Menschen inspiriert wird und gleichzeitig von der Musik lebt, die gerade gespielt wird. Das kann irgendwelche Musik sein. Im Grunde ist Fusion ein Ansatz zum Social Dance ohne feste Schritte, Rollen, oder Musik.
Das schafft eine Atmosphäre, in welcher nahezu alles möglich ist, weil nichts Konkretes erwartet wird, ausser dass wir zueinander Sorge tragen. Es bedingt, dass wir gut hinhören, den Moment erkennen, und wahrnehmen, was uns inspiriert, gemeinsam in Bewegung zu kommen.
Sia Liebermann ist eine Stimm- und Bewegungskünstlerin mit internationaler therapeutischer und künstlerischer Ausbildung.
Als Sängerin, Tänzerin, Musikerin und Komponistin hat sie eine grosse Leidenschaft für Improvisation und Instant Composition.
Sie unterrichtet derzeit Fusion Dance in der Schweiz, sowohl lokal als auch international.
Was ist das Einzigartige an Fusion?
Fusion ist nicht an eine Tradition oder einen Musikstil gebunden. Es ist kein Tanzstil im eigentlichen Sinne, sondern aus meiner Perspektive vielmehr die Praxis, welche Stile entstehen lässt und geboren hat.
Man stelle sich vor, da sind irgendwann einmal zwei Menschen zusammenkommen und haben sich in irgendeiner Form bewegt, vielleicht im Beisein eines weiteren Wesens, welches Klänge dazu kreiert hat. Jeder Mensch verfügt über ein grosses Repertoire an Bewegungen, nicht nur Erwachsene, sondern auch schon Kleinkinder. Dieses können sie mischen mit den Bewegungen eines anderen Wesens, und so kreieren sie eine Fusion von verschiedenen Musikalitäten in ihrem eigenen Körper. Und wenn das andere Menschen sehen, es ihnen gefällt, sie es sich abschauen und weiter pflegen, dann kann daraus ein Stil entstehen.
Diese Geburtsstätte von neuen Bewegungen ist es, was wir beim Fusion-Tanzen ganz gezielt kultivieren.
Du kultivierst das selbst, unterrichtest auch. Was motiviert dich, das zu machen? Was gefällt dir ganz persönlich an dieser Art zu tanzen?
Was mich besonders inspiriert, ist die Freiheit zur Eigenart. Ich kann dazu stossen, egal wer ich bin. Ich muss nichts Spezifisches sein oder mitbringen, um mich selbst als Tanzende und in einer Tanzpartnerschaft erfahren zu dürfen. Es gibt vielerorts gesellschaftliche Normen, welche nicht alle Menschen mit einschliessen. Solche Normen werden im Fusion aufgebrochen. Wir suchen eine Begegnung von Mensch zu Mensch, und dies wird ermöglicht durch die Bereitschaft, gemeinsam zu improvisieren. Insofern ist Fusion auch ein grosses Lernfeld, auf welchem wir unsere Fähigkeit, mit anderen Menschen in Beziehung zu treten, auf spielerische und musikalische Weise erforschen können.
Gleichzeitig ist Fusion ein Ort, wo wir all unsere gesammelten musikalischen und tänzerischen Erfahrungen einbringen und unsere Fertigkeiten weiterentwickeln können. Es erlaubt ein Vermischen der verschiedenen Farben und Wesensarten, die wir in uns finden. Diese haben wir uns vielleicht in Tanzstunden verschiedener Traditionen angeeignet, in uns vertraut gemacht und daran grossen Spass gefunden. Auch ich tanze extrem gerne in einem konkreten Stil. Und im Fusion finde ich dann einen Raum, wo ich dies so einweben kann, wie es in meinem Körper gerade auffindbar ist und im Tanzen mit einer anderen Person gerade passt, ohne dass es ein Richtig und Falsch gäbe.
Wie gut muss ich Tanzen können, um an Fusion Spass zu haben?
Ich beobachte Menschen aus zwei Richtungen, welche es zum Fusion zieht. Es kann als zwei Extreme beschrieben werden.
Die Einen sind fortgeschrittene Paartänzer:innen, welche schon verschiedene Tanzstile gelernt haben und über ein grosses Bewegungsrepertoire verfügen. Sie spüren eine Sehnsucht, das Gelernte neu zu kombinieren oder losgelöst von einem fixen Stil oder Musikstandard anzuwenden. Im Fusion dürfen sie ausbrechen. Sie finden Raum für Freiheit, Kreativität und Improvisation sowie eine Vertiefung ihrer tänzerischen Fähigkeiten.
Die Anderen haben zwar Lust auf Paartanz, jedoch vorgefertigte Schritte und strikte Abfolgen erschwerten ihnen bisher den Zugang. Somit versperrt es ihnen auch den Zugang zu Social Dance im ursprünglichen Sinne. Vielleicht liegt es ihnen auch nicht, in einer spezifischen Musikalität zu bleiben. Sie spüren einen starken Wunsch danach, frei sein zu dürfen, und damit kommt oft auch eine grosse Improvisationsfähigkeit. Im Fusion dürfen sie sich selbst sein. Sie finden Schritte, Repertoire und Technik im eigenen Erforschen und Spielen mit anderen.
Das sind zwei Extreme, welche im Fusion ein Zuhause finden können.
Wir brauchen keinen spezifischen Hintergrund und keine Vorkenntnisse, um Fusion tanzen zu können. Wir begegnen uns in einer tanzenden Partnerschaft und schauen, was passiert. Das kann so einfach sein wie eine Mutter, die sich zusammen mit ihrem Kind in den Armen ein bisschen zu Musik bewegt. Diese Authentizität und Qualität der Verbindung streben wir im Fusion an.
„Was mich so besonders an Fusion Dance inspiriert, ist die Freiheit zur Eigenart. Normen werden aufgebrochen. Und durch die Bereitschaft, den Moment gemeinsam zu improvisieren, dürfen wir auf einmal so sein, uns bewegen und tänzerisch begegnen, wie oder wer wir hier & jetzt gerade sind.“
Sia Liebermann
Was finde ich im Fusion nicht?
Es kann schwierig sein, wenn klare Vorgaben erwartet werden, was gemacht werden soll. Im Fusion sagt dir niemand, wie du dich bewegen sollst. Diese Freiheit kann auch eine Herausforderung sein und es braucht allenfalls ein bisschen Zeit, um damit warm zu werden.
So gibt es zum Beispiel keine Norm, wie lange zusammen getanzt wird. In manchen Stilen gibt es dazu eine Tradition und klare Richtlinien. Im Tango sind es typischerweise drei bis fünf Lieder, im Salsa eher nur eines.
Des Weiteren gibt es im Fusion keine Gender-Normen. Wir ermutigen die Tanzenden, keine Annahmen zu treffen aufgrund des Geschlechts oder aufgrund davon, wie jemand aussieht oder sich bewegt. Zum Beispiel Annahmen darüber, ob eine Person führen oder folgen möchte.
Stattdessen kommunizieren wir aktiv miteinander. Ich kläre verbal oder nonverbal ab, was dir gefällt und wie du gerne mit mir tanzen möchtest. Ich bleibe im Tanz wachsam und achte darauf, wie du auf meine Bewegungen reagierst und wie es dir dabei geht. Dieses Hinhören gilt es stetig zu schärfen. Und gleichzeitig darf ich lernen zu spüren, wie es mir selbst im Tanz gerade geht, was mir passt und was nicht, und wie ich das ausdrücken kann.
Damit die tänzerische Freiheit bei allen aufblühen kann, braucht sie Leitplanken. Diese zeigen wir auf mit einem Code of Conduct, der akzeptables Verhalten formuliert. Er hilft zu verstehen, was es konkret bedeutet, respektvoll miteinander umzugehen, zueinander Sorge zu tragen, die Sicherheit von allen im Raum zu gewährleisten und keine Annahmen zu treffen.
Du wirst auch beim Vertanzt Workshops leiten. Wie passt Fusion zum Vertanzt?
Fusion schult die Grundfertigkeiten des Tanzens und kann so jeden Stil bereichern.
Neulich war ich West Coast Swing tanzen. Dort bin ich einem sehr guten Tänzer begegnet, welcher selbst auch unterrichtet. In unserem Tanz hat er bald angefangen, auch stilfremde Elemente einzubauen. Wenig später besuchte er einen Fusion-Workshop bei mir. Er sagte mir, Fusion sei für jeden Paartanz bereichernd. Nicht um den eigenen Stil oder die dazugehörige Kultur aufzugeben, sondern vielmehr um den Stil zu vertiefen mithilfe der drei Aspekte von Fusion: Musikalität, Verbindung und Improvisation.
Ist es auch Fusion, wenn ich lediglich zwei Stile mische? Das ist ja dann nicht komplett frei.
Ja total, auch das bewusste Mischen von zwei oder mehr Stilen ist eine Form von Fusion.
In der komplett freien Form von Fusion können wir sagen, dass es die zwei jeweiligen Wesen sind, die im Tanz fusionieren. Sie bringen alles mit, was sie an Bewegungssprachen im Leben bereits gelernt oder entwickelt haben, inklusive Tanzstile. Wenn sie erkennen, dass das Gegenüber eine Bewegung gut versteht, dann benutzen sie dieses gemeinsame Bewegungsrepertoire vielleicht verstärkt. Das kann ein erlernter Tanzstil sein, muss aber nicht.
Es ist vergleichbar mit einem Gespräch. Ich kann mich des gesamten Vokabulars bedienen, welches mein Gegenüber versteht. Auch dort könnte ich wild Wörter aus allen Sprachen mischen, welche ich kenne. Und das kann super lustig sein! [Spricht verschiedene Sprachen wild gemischt.] Oder wir sprechen vielleicht einen Satz auf Deutsch und den nächsten auf Englisch. Das mag weniger frei sein, dafür dient es einer gelungenen Unterhaltung.
Wenn ich beide Sprachen gut beherrsche und diese sehr präsent habe, fällt mir das aktive Mischen leichter. Dann kann ich gut sprechen bzw. im Tanz führen und/oder gestalten. In der folgenden Rolle (Follower) bin ich vor allem gefordert, gut zuzuhören, wiederzuerkennen und Verstandenes körperlich umzusetzen.
Beim Fusion tanzen bist du frei, alles zu verwenden, was du kennst. Auf die Art und Weise, wie du persönlich darin Bedeutung findest. So wie es sich für dich gut anfühlt oder dich neugierig macht. Und du bist gleichzeitig frei, einzutauchen in Dinge, die du noch nicht kennst.
Woher kommt eigentlich Fusion? Ich habe schon gehört, es entstamme dem Blues.
Es kommt darauf an, worauf genau wir uns beziehen mit dem Ausdruck Fusion. Je nachdem, mit wem wir sprechen, können wir dazu verschiedene Perspektiven hören. In meiner Wahrnehmung haben diese alle ihre Berechtigung.
Die soziale Bewegung im Paartanz, welche irgendwann „Fusion Dance“ getauft wurde, entsprang tatsächlich von Blues-Tänzer:innen in Teilen der USA und war dabei stark geprägt von der queeren Community. Flouer Evelyne, Mark Carpenter oder Justin Riley sind international bekannte Fusion- (und Blues-) Tänzer:innen, die an der vordersten Front dieser Bewegung standen und dadurch (im Gegensatz zu mir) Experten sind, um die Frage der genauen Beziehung und Geschichte vom Blues-Tanz als Urstätte des Fusion Dance zu beantworten.
Wenn wir jedoch über die Praxis von Fusion sprechen, so sehe ich persönlich in jedem Tanzstil und jeder Tanzkultur solche Bewegungen, welche die Qualitäten von Fusion aktiv kultivieren, auch wenn sie sich selbst nicht so bezeichnen. Jeder Tanzstil wurde einmal geboren und wird weiterentwickelt, und dazu braucht es diese Qualitäten der Verbindung, der Improvisation und der Verkörperung von Musik. Fusion beschreibt den gemeinsamen Nenner all dieser Bewegungen und schliesst gleichzeitig alle Variationen mit ein.
Für mich gehört der Begriff „Fusion“ niemandem alleine, und damit gehört er allen. Genau das ist es, was mich an Fusion begeistert. Niemand kann dir vorschreiben, wie du zu sein oder zu tanzen hast, und wie nicht. Solange du deine Mittanzenden respektierst und achtest. Würden wir im Fusion versuchen allgemeingültige Normen zu setzen, dann würde es den Spirit von Fusion meiner Meinung nach verlieren. In jeder Partnerschaft sollen die tanzenden Wesen neu entscheiden können, wie ihr Tanz aussehen soll, mit dem Konsent, den sie einander geben. Und dabei kann es manchmal auch wohltuend sein und Orientierung geben, der eigenen Freiheit einen konkreteren Rahmen zu verleihen. So entstehen verschiedene Räume, in denen Fusion unterschiedlich kultiviert werden kann.
Hast du eine Liedempfehlung für Fusion Tanzende?
Als Musikerin finde ich es extrem spannend, stark zu experimentieren. Ich probiere Fusion gerne aus zu Klängen, von welchen manche im ersten Moment denken könnten, sie seien gar nicht tanzbar. Das kann sogar nur eine Geräuschkulisse sein. Oder auch ein klassisches Stück wie eine Chopin-Etüde, oder ein Afrobeat-Lied, oder ein Radiohead-Song wie Karma Police. Wirklich querbeet. Dabei können wir spüren, was alles für Farben, Qualitäten und Texturen in uns inspiriert werden, und dass wir sowohl von unserer eigenen Musikalität als auch von der Musikalität um uns herum in Bewegung versetzt werden können.
Vielen Dank und bis zum Vertanzt!
Die Fragen gestellt und das Gespräch aufgezeichnet hat Raffael Krebs am 26. März 2025.
Liebe Freunde und Freundinnen des Vertanzt-Festivals
Eine weitere Vertanzt-Edition liegt hinter uns allen. Es war erneut ein gewaltiges Fest. Das Mittelmeer wurde einmal rundherum in Workshops abgedeckt. Zahlreiche international bekannte Bands und Solisten haben uns aufgespielt. Aber auch die Neuentdeckungen kamen nicht zu kurz. Ein breiter Mix von traditionell bis progressiv – denn: Vertanzt ist für alle da. Auch der Humor darf beim ganzen Planen und Durchführen nicht verloren gehen. Darum hier mein Rückblick auf die diesjährige Edition – mit einem liebevollen Augenzwinkern:
Vertanzt 2024 ist …
… wenn am Abend vor dem offiziellen Beginn des Festivals schon 100 Menschen auf Platz sind. Und sie wollen alle schon mit dem Tanzen beginnen. Da hilft nur eines – Musiker für eine Jam-Session aktivieren und die ersten beiden Zelte betanzen. Boeuf gab es bis 2:00 Uhr morgens, welche ein Auftakt. Und sieben Stunden danach ging ja auch schon das Festival los.
… wenn ein bekanntes Balfolk-Quartett musizierend und ohne Rücksprache einen Workshop erstürmt. Der Grund? Sie hörten von Ferne, dass einer ihrer eigenen Songs über die CD-Anlage abgespielt wurde! Ein unmöglicher Zustand! Dies musste mit dem live-Original ihres Stückes bekämpft werden. Ein Grund, das Zelt zu kapern. Und die Stage-Hand am Mischpult verstand die Welt nicht mehr, als sich die Musik, die eben noch vom Band lief, nicht über das Mischpult abstellen liess. Das live-Original setzte sich dann durch … zur Freude aller Workshopbesuchenden. Welch eine charmant-freundliche Übernahme der musikalischen Macht im Zelt…
…wenn die Eltern im Tanzzelt mit der ruhigen-feinen Tanzmusik plötzlich von ihren Babyphones alarmiert werden. Am anderen Ende waren aber nicht die Kleinen, sondern klar die Bassdröhnung des wilden ORAJ-Duos zu hören. Es stellt sich die Frage: Alternative Party im Kindercamping nach Mitternacht? Wir haben den Neon-Jungs mit den kräftigen Bässen dann erstmal die Verstärkung gedrosselt und behalten das Ganze nun im Auge 😉
…wenn die Musizierenden so viel Freude am gemeinsamen Boeuf haben, dass kein Ende in Sicht ist. Man kann nur sagen: Ein Genuss der Extraklasse bis zu 5 Stunden nach Ende des offiziellen Programms! Längster Bœuf: Sonntagmorgens endete der Bœuf vom Vortag um 8:20 mit der letzten Mazurka. Viel länger wäre nicht gut gewesen, denn die Putzequipe hatte schon um uns herumgeputzt, um den Saal parat zu machen für den ersten Morgenworkshop. Was gab es in dieser Zeit alles zu sehen? Menschen auf einem nächtlichen WC-Besuch blicken ungläubig ins Zelt hinein, ab 6:00 waren die ersten Menschen bereits wieder wach und haben den Rest der Tanzenden wieder verstärkt. Einer der Musiker entschied sich dreimal im Laufe des Boeuf nun «endlich» schlafen zu gehen. Aber kaum am Zelteingang angekommen, erklangen wieder so verlockende Melodien der anderen – er musste zurück. Erst der vierte Anlauf klappte. Natürlich erst nach Morgengrauen…
Nach dem Boeuf gings erstmal zum Morgenessen, denn da sassen ja schon die «Lerchen» bereit für den Tag und die ersten Programmpunkte. Ob vertanzt demnächst auf 24h-Musikbetrieb umstellt? Wer weiss.
Ein weiteres Festival ist Geschichte, aber die Dankbarkeit von allen für alle schwingt noch nach: Verein, Organisationskomitee, Workshopleitende, Musizierende, Helfende und Besuchende haben alle ihren Beitrag beigesteuert für ein Festival, das in der Schweiz seines gleichen sucht. Wir machen weiter – Vertanzt 2025 wird schon bald von sich hören lassen.
Das Festival 2024 war ein voller Erfolg. Nach dem hier und da etwas holprigen Neustart im Vorjahr lief dieses Mal alles rund. Die Kantine auf dem Gelände und der zentrale Schattenplatz haben sich sehr bewährt. Die Stimmung wurde von sehr vielen Gästen als einzigartig friedlich und positiv erlebt. Wie schon letztes Jahr waren wir ausverkauft. Neu nahmen noch mehr Familien teil, und die Kleinen hatten nicht nur beim «Kinder-Bal» grosse Freude.
Wir haben gefragt, was das Vertanzt für Euch ausmacht und bekamen zur Antwort: «Das Wohlwollen aller», «Freude, schöne Begnungen, schöne Energien», «tolle Stimmung», «Menschen, Herz und so gute Musik», «die familäre Atmosphäre».
Es freut uns vom OK natürlich sehr, das möglich gemacht zu haben. Wir wissen aber auch: Wenn das Festival so viel Glück verbreitet, tragen alle dazu bei – durch ihre Offenheit, ihr Mittanzen, ihren Einsatz und manchmal auch einfach mit ihrer Gegenwart.
Darum sagen wir heute von Herzen Danke:
der Gemeinde Röthenbach, der Burgergemeinde Bern und der Tanzvereinigung Schweiz mit der SWICA sowie allen Sponsor:innen für die finanzielle und materielle Unterstützung
den ca. 100 Künstler:innen für verzaubernde Konzerte und spannende Workshops
den über 110 Freiwilligen für ihr tatkräftiges und gut gelauntes Mithelfen
den vielen Röthenbacher Einzelpersonen, Gewerbetreibenden und Vereinen, die das Vertanzt zusammen mit der politischen Gemeinde einmal mehr herzlich begrüsst, nach Kräften unterstützt und auch hier und da mitgetanzt haben
Euch, den Festival-Besucher:innen, für Euer Dabeisein, für ein wenig Geduld hier und da und auch für die ausdrückliche Wertschätzung.
Vom Festival bleibt viel zurück, vor allem schöne Erinnerungen. Aber nicht nur: Auch einige Gegenstände sind in Röthenbach liegen geblieben. Erkennst Du etwas, das Dir gehört? Dann melde Dich bei florian.lippke@vertanzt.ch. Die Fundsachen werden bis 25. Oktober aufbewahrt.